Warum Frauen*referat?

Warum gibt es überhaupt ein Frauen*referat?

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“ steht als gesetzliche Regelung im deutschen Grundgesetz (Art. 3 Abs. 2 GG) . Daneben existieren verschiedenste Formen von gesetzlichen Regelungen, die diesen Grundsatz gewährleisten sollen.

Eine gesetzliche Gleichberechtigung ist ein wichtiger und unbedingt notwendiger Schritt, aber leider sitzt das Problem tiefer: Geschlechterspezifische Ungleichheiten und Asymmetrien in der Gesellschaft wirken trotz dieser Regelungen fort.

Zunächst eine Bestandsaufnahme an der Uni/im Job:
Jede zweite Dissertation und jede vierte Habilitationsschrift werden von Frauen* eingereicht und trotzdem sind nur 18% der Professuren an Universitäten von Frauen besetzt, obwohl seit mehr als 100 Jahren Frauen studieren können und ungefähr gleich viele Frauen und Männer ein Studium beenden. Studentinnen leisten nach ihrem Abschluss doppelt so häufig wie Männer unentgeltliche Praktika. Stehen Frauen später im Beruf, kriegen sie für die gleiche Arbeit weniger Lohn als Männer und sind dabei meist zusätzlich einer Doppelbelastung von Haushalt und Lohnarbeit ausgesetzt. Durch geschlechts-differentes Redeverhalten werden Frauen in Diskussionen weniger wahrgenommen als Männer sowohl in universitären als auch privaten Kontexten.

Für die konkrete Unterstützung von Frauen* im Studium arbeiten wir weiterhin mit dem Projekt „Handeln für mich“ zusammen, das Frauen unterstützt, die vor Schwierigkeiten in ihrem Studium stehen. Das Angebot kannst du unter: http://www.muenster.org/schwarze-witwe/studentinnen.htm abrufen.

Sexuelle Belästigung an der Uni

Eine Studie der WHO von 2013 ergibt zudem, dass etwa 35% der Frauen weltweit Opfer von sexueller Gewalt geworden sind (http://www.who.int/reproductivehealth/publications/violence/9789241564625/en/).

Studien, die Erfahrungen von Studentinnen mit sexueller Belästigung untersuchen, ergeben, dass die Hälfte aller Studentinnen während ihrer Studienzeit sexuell belästigt wurde (Die Studie der Ruhr Uni Bochum wurde 2012 veröffentlicht und kann hier http://vmrz0183.vm.ruhr-uni-bochum.de/gendercrime abgerufen werden).

Unsere Vorgänger*innen haben einen umfassenden Reader zu dem Thema: sexuelle Belästigungen an Hochschulen erstellt, der euch Hilfestellungen geben soll, falls ihr selbst von sexualisierter Gewalt betroffen seid oder diese mitbekommt:

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Viele städtische Hilfsangebote und Beratungsstellen sind immer wieder von Etatkürzungen betroffen, daher sehen wir es auch als unsere Aufgabe betroffene Studentinnen zu unterstützen. Auf unserem Blog findet ihr zudem eine Liste von Beratungsstellen in Münster.

Auch das Gleichstellungsbüro der Uni Münster bittet ausdrücklich darum, Belästigungen (auch anzügliche Kommentare und sexistische Witze fallen in diese Kategorie!) nicht im Sande verlaufen zu lassen, sondern mit ihrer Unterstützung Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten:

gleichstellungsbeauftragte@uni-muenster.de

Intersektionalität

Eine unumgängliche Perspektive auf Diskriminierung liefert uns die Intersektionalitätsforschung, die eine Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in den Blick nimmt.

Mit welchen spezifischen Diskriminierungen sehen sich beispielsweise behinderte Frauen* in einer zutiefst ableistischen Gesellschaft, also eine Gesellschaft, die Leute anhand ihrer Fähigkeiten bewertet, konfrontiert? Oder Schwarze Frauen, Frauen of Colour, Frauen aus bildungsfernen Milieus oder auch Menschen, die sich nicht in ein binäres Geschlechtermodell einfügen?

Wir möchten auch Menschen jenseits der privilegierten, weißen und „abled bodied“ Mehrheitsbevölkerung zu Wort kommen lassen und zudem unsere Rolle als weiße Feminist*innen und Anhänger*innen der Mehrheitsbevölkerung reflektieren.

Still lovin‘ Feminism – jetzt erst recht!

Gerade in Zeiten eines erschreckenden, ausgeprägten Rechtsrucks in ganz Europa und natürlich auch Deutschland (wir erinnern uns an die von einem breiten Teil der Bevölkerung akzeptierten, alltäglichen sexualisierten Übergriffe, die während Aufschreidebatte im Jahr 2013 öffentlich gemacht wurden, an die muslimfeindlichen Pegida-Demonstrationen zur Zeit, den offenen Antisemitismus und nicht zuletzt an Parteien wie die AfD, die sich nicht nur rassistisch und homophob positioniert, sondern auch zutiefst antifeministisch) ist es dabei umso wichtiger, Veranstaltungen mit emanzipatorischen Inhalten anzubieten. Als Frauen*referat setzen wir uns daher explizit mit Problemen und strukturellen Hindernissen auseinander mit denen Frauen* in unserer Gesellschaft konfrontiert werden. Dabei ist es uns wichtig, einen studentischen Raum für diese Thematik zu schaffen.

Es wäre eine verkürzte Kritik an den bestehenden Geschlechtsverhältnissen, wenn man von einer alleinigen Benachteiligung von FLTI* ausgehen würde. Auch (heterosexuelle) cis-Männer bleiben von den Strukturen nicht unberührt und sehen sich mit gesellschaftlichen Normen und Anforderungen konfrontiert, denen sie nicht immer gerecht werden können oder wollen. Eine umfassende Kritik an den Geschlechterverhältnissen muss auch diese Seite berücksichtigen.

Solange jedoch die geschlechtsspezifische Diskriminierung von Frauen*, die in der oben aufgeführten Bestandaufnahme deutlich wird, weiter andauert und sich sowohl in den gesellschaftlichen Strukturen als auch in deutlichen Zahlen äußert, erachten wir es für unbedingt notwendig, durch das Frauen*referat einen hochschulpolitischen studentischen Rahmen zu erhalten, der sich explizit mit den Interessen und Bedürfnissen von Frauen* auseinandersetzt und ihnen einen Raum bietet. Feminismus, als Bestandteil einer umfassenden Gesellschaftskritik,  muss dabei in alle Lebensbereiche integriert werden, um eine positive Veränderungen zu bewirken.

 

 

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